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HAWK-Restauratorin Johanna Kraemer erhält WTA-Preis für ihre Masterthesis

Auszeichnung für Forschung und Praxis der Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege

Die WTA  - Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V. –  hat jetzt den diesjährigen WTA-Preis für herausragende Leistungen auf den Gebieten der Forschung und Praxis der Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege im Rahmen des WTA-Tages 2013 in Braunschweig verliehen. Da bevorzugt junge Fachleute durch den Preis ermutigt und ausgezeichnet werden sollen, entschloss sich die Fachjury dieses Jahr, der Preis an Johanna Kraemer (Restauratorin MA), eine Absolventin der HAWK, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, für ihre Masterthesis "Bauphysikalische Raumluftparameter in Magazinräumen - Entwicklung eines Messverfahrens am Beispiel des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen" zu vergeben.
 
 
In ihrer herausragenden Arbeit befasste sich Johanna Kraemer mit den bauphysikalischen und baukonstruktiven Abhängigkeiten zur Gewährleistung und Bewertung des Raumklimas in Archiven.
 
So entstand die Masterthesis in Kooperation mit der Fakultät Bauen und Erhalten der HAWK i Hildesheim, Studienrichtung Schriftgut, Buch und Graphik und dem Landesarchiv
Nordrhein-Westfalen, Abteilung Ostwestfalen-Lippe in Detmold. Das interdisziplinäre Ziel der Masterthesis war die Entwicklung eines exemplarischen Messverfahrens bauphysikalischer Raumluftparameter in Magazinräumen, um auf diese Weise Herangehensweisen der präventiven Konservierung mit bauphysikalischen Methoden zu verknüpfen.

Im theoretischen Teil der Arbeit wurden der Einfluss des Außenklimas und relevante Wärme- und Feuchtetransportmechanismen innerhalb des Gebäudes sowie mikrobiologische Bedingungen für Schimmelpilzwachstum erläutert. Einen Schwerpunkt bilden unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten des Mollier-h,x-Diagramms. Es folgte eine Darstellung der allgemeinen Funktionsweise von Klimaanlagen und relevanten Messgeräten.

Ein Überblick zu den wichtigsten klimainduzierten chemischen und physikalischen Degradationsprozessen am Material Papier auf der Basis aktueller Forschungsergebnisse sollte die Frage klären, ob aus restauratorischer Sicht auch größere klimatische Toleranzen als in der DIN ISO 11799 empfohlen für das Archivgut akzeptabel wären. Im Anschluss wurden bauphysikalische, mikrobiologische und konservatorische Randbedingungen festgelegt, welche Eingang in ein Auswertungsschema für Klimamesswerte finden.

Der praktische Teil der Arbeit bestand aus der Situationsanalyse eines Altbaumagazingebäudes der 1960er Jahre. Hier bestehen trotz einer nachträglich eingebauten Vollklimaanlage Klimaprobleme bis hin zum mikrobiellen Befall von Archivgut, obwohl die Klimatisierung auf Grundlage der in der DIN ISO 11799 empfohlenen Klimagrenzwerte erfolgt. Die Probleme lassen sich einerseits auf eine unzureichend gedämmte Gebäudesubstanz und andererseits auf eine möglicherweise zu kleine Auslegung der Klimaanlage zurückführen.

Anhand von Messwerten aus durchgängig durchgeführten Klimamessungen mit Datenloggern erfolgt eine Übertragung des Auswertungsschemas in die Praxis. In einem exemplarischen Messverfahren wurden Messpunkte definiert, mit welchen sich ein Raumklima für die Praxis ausreichend genau beschreiben lassen. Darüber hinaus erfolgten weitere messwertbasierte Luftzustandsvergleiche, welche unter anderem Schlüsse auf die Wirkungsweise der Klimaanlage vor Ort zulassen.
 


 
Abstract
The Thesis was developed in cooperation with the Faculty of Architecture, Engineering and Management, the Faculty of Preservation of Cultural Heritage and the State Archive in North Rhine-Westphalia, East Westphalia-Lippe Department, in Detmold.  The interdisciplinary purpose of the Thesis was to develop an exemplary measurement process of building physical air parameters in rooms in order to connect approaches of building physics and preventive conservation.

In the theoretical part, the influence of outside air conditions and relevant heat and humidity transport mechanisms inside a building as well as microbiological conditions for mould growth were explained. One of the main features was to show different possible applications of the Mollier-h,x-diagram. General functionality of air conditioning and relevant measuring instruments were described. A summary of the most important climate-induced chemical and physical degradation processes in paper, based on the latest research results, aims to clarify whether from the conservators’ perspective climate tolerances in stacks larger than those recommended in DIN ISO 11799 would be acceptable. Subsequently, building physical, microbiological and preservative boundary conditions are determined, which are entered into a tabular evaluation scheme.

The practical part of this Thesis were primarily concerned with a situation analysis of a stack building from the 1960s. Climate problems and even microbial infestation of archive materials persist in this building, although the air-conditioning is based on the limit-value-recommendations of DIN ISO 11799. The problems can be traced on the one hand to a poorly heat-insulated building and on the other hand to a possibly undersized air conditioning system.
By reference to measured data of consistent climate measurements with data loggers, a transfer of the tabular evaluation scheme in practice takes place. Measurement points, which describe a room climate in practice adequately, were defined. On the basis of further room air condition equations, conclusions can be drawn among other things concerning the effects of the air conditioning system.

Erscheinungsdatum: 03.04.2013