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Ägyptische Studierende lernen, wie sie Kulturschätze in ihrer Heimat erhalten können

HAWK, RPM und Landesmuseum unterstützen Ausbildung ägyptischer Restauratoren

In Deutschland für die Erhaltung der Kulturschätze in Ägypten lernen: Acht Studierende der Universität Minya und ihre beiden Betreuer sind jetzt für vier Wochen in Hildesheim und Hannover zur „Summer School 2013“zu Gast. Konservatorische Techniken und Materialkunde gehören zu den Studienthemen an der Fakultät Bauen und Erhalten der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, Ausstellungskonzeption, Transportlogistik, Ägyptologie und ethische Normen in der Museologie stellt das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim vor. Klassische Archäologie und Feldarchäologie sind Themen am Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover. Der Aufenthalt ist der zweite Teil eines Kooperationsprojektes der drei Institutionen HAWK, RPM und Landesmuseum im Rahmen des Projekts „Deutsch-Arabische Transformationsgesellschaft“ des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) zur Unterstützung der Ausbildung ägyptischer Restauratoren.

 

Im Herbst vergangenen Jahres hatten HAWK-Studierende unter der Leitung von Dr. Katja Lembke, Leiterin des Niedersächsischen Landesmuseums und Initiatorin des Projektes, sowie Prof. Dr. Nicole Riedl von der HAWK, Ägypten besucht und dort an den Grabtempeln von Tuna el-Gebel, 40 Kilometer von Minya entfernt, gemeinsam mit ägyptischen Studierenden Restaurierungsarbeiten durchgeführt. „Der Austausch unserer Hochschulen hat in Ägypten einen sehr hohen Stellenwert“, betonte Prof. Dr. Hussein Mohamed Ali, Projektleiter von Seiten der Universität Minya, der einzigen ägyptischen Universität, die Restauratoren ausbildet. Schon seit sieben Jahren besteht eine Kooperation zwischen HAWK, RPM und Universität Minya. Prof. Hussein Mohamed Ali allerdings hat Hildesheim schon sehr viel früher kennengelernt. 1990 lebte er für ein Jahr in Hildesheim und schrieb hier seine Doktorarbeit am Roemer- und Pelizaeus-Museum, damals unter der Leitung von Prof. Dr. Arne Eggebrecht.

 

Prof. Dr. Christiane Dienel begrüßte die Gäste gestern an der HAWK: „Dieser fruchtbare Austausch ist gelebte Demokratie. Wir sind sehr stolz darauf, unseren ägyptischen Gästen unser Fachwissen nahe bringen zu können.“ Dr. Regine Schulz, Leiterin des Roemer- und Pelizaeus-Museums, betonte: „Wir lernen voneinander. Ich freue mich auf den Diskurs mit Ihnen.“ Und Dr. Katja Lembke rief die Studierenden beider Hochschule auf: „Reden Sie miteinander, lernen Sie gemeinsam.“ Je eine Woche verbringen die jungen Leute an den beiden Museen. Die konzeptionelle Leitung der Fachkurse hat Frau Prof. Dr. Nicole Riedl, Leiterin der Studienrichtung Restaurierung von Wandmalerei und Steinobjekten inne. Einen Monat lang ist der Stundenplan von 08 bis 17 Uhr in der Region Hildesheim und Hannover abwechslungsreich gestaltet. Auf dem Programm steht zudem eine Exkursion nach Köln mit einem Besuch im dortigen Römisch-Germanischen Museum.

 

Eine ganz besondere Erfahrung für die Studierenden aus Minya sei die praktische Arbeit an der HAWK, wo sie Objekte auch selbst bearbeiten dürften, schildert Prof. Hussein . In Ägypten gebe es dazu so gut wie keine Gelegenheit. Hier dürften sie an der Restaurierung einer stark beschädigten römischen Wandmalerei aus Trier mitarbeiten. Dabei geht es zunächst darum, Restaurierungen aus dem 1950er Jahren zu reduzieren, um anschließend Konzepte für eine Konservierung und Präsentation der Malereien zu entwickeln.

 

Geht es nach den beteiligten Institutionen, ist dieser Austausch der Anfang einer dauerhaften Kooperation, Prof. Nicole Riedl hofft, dass der DAAD, aber möglicherweise auch die VW-Stiftung, das Projekt für einen längeren Zeitraum fördern werden. „Wir profitieren durch den intensiven Austausch von der Kooperation und wollen die ägyptischen Kollegen und Studierenden vielfältig unterstützten. So werden wir zum Beispiel bei unserem nächsten Besuch in Minya Restaurierungsmaterialien mitnehmen, die dort gar nicht oder nur sehr schwer zu bekommen sind.“

 

Aufregende Erfahrungen hatten die HAWK-Studierenden diesbezüglich schon beim ersten Besuch im Herbst 2012 mit ihrem Materialtransfer gemacht: Am Flughafen hatte eine weiße, wachsartige Substanz namens Cyclododecan Sprengstoffalarm ausgelöst, bis die Sicherheitsbeamten sich von der Harmlosigkeit überzeugt hatten. Diese Substanz dient zur temporären Stabilisierung von Oberflächen, bis sie sich nach kurzer Zeit komplett in Luft auflöst.

 

Bis zum Rückflug nach Kairo am 27. April können die ägyptischen Studierenden solche Materialien allerdings ohne Aufregung in Hildesheim testen.

Erscheinungsdatum: 09.04.2013 

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