English Version | Intranet | Schnellzugriff

Unternehmensnachfolge frühzeitig planen

Konferenz bringt Unternehmer, Wissenschaftler und Politiker zusammen / Weiterbildungsprogramm

Wenn Unternehmer/innen  in den Ruhestand gehen, wer führt die Firma weiter? Bei der Konferenz „Determinanten der Nachfolge in Familienunternehmen“ der HAWK diskutierten Wissenschaftler, Experten und Unternehmer jetzt über Forschungsergebnisse, Beratungsmöglichkeiten und Fallbeispiele aus der Praxis.

 

Rund zwei Drittel von familiengeführten Unternehmen möchten die spätere Geschäftsnachfolge innerhalb der Familie belassen, darunter ist auch ein großer Anteil von Töchtern. Das ergab die Studie „Determinanten der Nachfolge in Familienunternehmen“, die an der HAWK von Prof. Dr. Christoph Kolbeck und Mitarbeiterinnen am Lehrstuhl für Familienunternehmen und Unternehmensgründung erarbeitet wurde. 252 kleine, mittlere und große Familienunternehmen hatten sich in einer Umfrage dazu geäußert.

 

„Familienunternehmen haben einen ganz großen Vorteil und einen ganz großen Nachteil, und beides ist die Familie. Eine Familie ist das Beste, was es für eine Firma geben kann, eine Familie in Unfrieden das Schlimmste.“ Dieses Zitat von Miele-Chef Dr. Reinhard Zinkann bringt für den Unternehmer Lars Obermann die gesamte Problematik auf den Punkt. Als Geschäftsführer der Obermann Unternehmensgruppe Logistik und Spedition in Osterode mit 130 Mitarbeiter/inne/n lieferte er das lebendige Fallbeispiel für die Konferenz: Er erzählte aus seiner Familienhistorie, wie er die Firma zusammen mit Geschwistern von seinem Vater übernahm und welche Vor- und Nachteile dieser Weg mit sich brachte. In seinem Fall lief der Übergang überwiegend harmonisch, der Vater übertrug die Firma in einem längeren Zeitraum auf ihn und seine Familienmitglieder, auch um Erbschaftssteuern zu sparen.

 

Wichtig sei die Verlässlichkeit der Vereinbarungen zwischen Junior und Senior, die den Übergang betreffen. „Aussagen von Senioren 'Ich arbeite noch drei bis fünf Jahre, dann gehe ich in Rente', sind eher kritisch zu beäugen, weil sich die Betreffenden nach drei Jahren meist immer noch nicht entschieden haben“, ergänzte Obermann.

 

Ein wichtiger Punkt ist die gründliche Vorbereitung der Nachfolge. Bevorzugt suchen  Unternehmen dabei Hilfe bei ihren Steuerberatern oder Rechtsanwälten, aber auch Hochschulen mit entsprechenden Lehrgebieten und spezieller Expertise werden immer öfter angefragt. Dabei werde vor allem Hilfe für sogenannte weiche Themen wie „ Überblick über mögliche Übergabevarianten“ oder „richtige Ansprache im Familienkreis“ gesucht.
„Ein ganz zentrales Thema ist die Qualifizierung der Nachfolger“, so Kolbeck. Zwei Drittel der Familienunternehmen, offenbarte die Studie, wünschen sich eine Nachfolge mit akademischer Qualifikation. Dazu wurde das HAWK-Weiterbildungsprogramm „Nachfolger werden Unternehmer“ entwickelt, das auf der Konferenz von Dr. Stephanie Rabbe vorgestellt wurde und positive Rückmeldungen von den Teilnehmenden der Podiumsdiskussion erhielt. In einem sechs Module umfassenden zweijährigen Weiterbildungsprogramm können Unternehmer/innen mit professioneller und wissenschaftlicher Unterstützung ihren individuellen Nachfolgeplan entwickeln.

 

„Ich glaube, dass die HAWK hier Meilensteine setzt, weil das Thema Unternehmensnachfolge weder im wissenschaftlichen Bereich noch in der Wirtschaftspolitik so verankert ist, wie es eigentlich sein müsste – angesichts der Dramatik“, lobte Daniela Behrens, Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr die Veranstaltung. Sie bezog sich damit auf Erkenntnisse aus der Studie, dass oftmals die Kinder von Unternehmern kein Interesse an einer Übernahme des Familienbetriebes haben und dann anderweitig gesucht werden müsse.

 

In der Diskussion mit dem Hildesheimer Unternehmer, Dr. Arwed Löseke, Matthias Ullrich, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft HI-REG, Rechtsanwalt Ulrich Herfurth, Landesvorsitzender Niedersachsen von „Die Familienunternehmer - ASU e.V.“,  Michael Senf, Bereichsleiter Unternehmenskunden der Sparkasse Hildesheim und Marc Diederich, Geschäftsführer der IHK Geschäftsstelle Hildesheim wurden die Ergebnisse der Studie kritisch gewürdigt und auch der hohe Beratungsbedarf vor allem bei kleinen Unternehmen festgestellt.

 

Dabei sei die Attraktivität eines Unternehmens ein ganz zentraler Punkt, so Kolbeck.  „Gerade in kleineren Unternehmen sollten sich die Mütter und Väter frühzeitig auf den Weg machen, mögliche Nachfolger/innen zu finden. Dabei müssen sie sich vielleicht auch davon lösen, dass das Unternehmen intern übergeben wird.“

 

Informationen zur Studie:


HAWK
Lehrstuhl für Familienunternehmen
Prof. Dr. Christoph Kolbeck
Goschentor 1
31134 Hildesheim
Tel: 05121-881-511
E-Mail: Kolbeck@hawk-hhg.de

 

Informationen zum Weiterbildungsprogramm:

 

HAWK
Lehrstuhl für Familienunternehmen
Prof. Dr. Christoph Kolbeck
Goschentor 1
31134 Hildesheim
Tel.:05121-881-511
E-Mail: Nachfolge@hawk-hhg.de

Erscheinungsdatum: 14.05.2013 

Besuchen Sie uns bei:

hawkpresse