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"Nicht nur sozialtechnologisch behandeln"

Erfolgreiche Fachtagung "Soziale Arbeit und Kritik" mit 150 Teilnehmer/inne/n an der HAWK

Innehalten, um einmal kritisch differenziert auf den eigenen Berufsstand und die gesellschaftlichen Tendenzen zu schauen – diesen Anspruch verfolgte der Fachtag „Soziale Arbeit und Kritik“ mit Wissenschaftler/inn/en, Praxisexpert/inn/en und Studierenden an der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der HAWK in Hildesheim.

 

Einen der wichtigsten Vorträge hielt der Sozialphilosoph Prof. Dr. Oskar Negt mit dem Thema „Perspektiven der Kritik. Eine kritische Zeitdiagnose“. Frei referierte er eine Stunde über das Wesen des Sozialstaats, aktuelle gesellschaftliche Krisen und Lösungsmöglichkeiten in Bezug zur Sozialen Arbeit. Wichtig für ihn sei, sagte er im Anschluss, dass diejenigen, die in sozialen Berufen arbeiten, nicht das Gefühl haben, an den Rand gedrängt zu sein. Negt bescheinigte den Hochschulen und ihren Studiengängen ein wachsendes, kritisches Potenzial, dieses Problem auch zu diskutieren.

 

Wichtig sei,  „dass Soziale Arbeit - dieser große Begriff-  in Alltagsdimensionen übersetzt werden muss, weil sie alltäglich passiert, und nicht nur institutionell durch eine Hochschule oder eine Universität“, ergänzte Negt.

 

In weiteren Vorträgen von Prof. Dr. Hans Thiersch und Prof. Dr. Frank Bettinger kamen die aktuellen Herausforderungen der Sozialen Arbeit im Kontext von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zur Sprache.
Die  anschließenden Workshops ermöglichten Diskussionen über Themen zu „menschenrechtsorientierter Praxis“, „Logik sozialer Arbeit in der Geldgesellschaft“ und „Zwischen Macht und Ohnmacht“. Die Tagung endete mit dem Workshop „Freie Bildung und studentische Lebensform“.

 

Studiendekan Prof. Dr. Gazi Caglar sagte, er freue sich sehr, dass vor allem die Studierenden die Impulsgeber für den Fachtag  waren und sie gemeinsam mit seinen Kolleg/inn/en diesen zustande gebracht haben.
Zu der Motivation, diese Tagung auszurichten, sagte er: „Sowohl die gesellschaftlichen Entwicklungen, als auch die in der sozialen Arbeit, haben eine enorme Empörung hervorgerufen, so dass das Interesse nach einem gemeinsamen Nachdenken, der Selbstreflexion und der Handlung auf Grundlage wissenschaftlicher Analysen ein gemeinsames Bedürfnis zu sein scheint.“ Die soziale Arbeit sei ein Feld mit unterschiedlichen Zielsetzungen - so zum Beispiel ihre immer stärkere Ökonomisierung, die aber auch von ihr teilweise selbst betrieben werde.  Daher habe man sich die wichtigsten Köpfe aus der sozialen Arbeit und der Sozialphilosophie geholt, um sich mit ihnen über kritischePerspektiven auszutauschen.

 

Als bleibendes Ziel und großen Erfolg erhoffe sich Caglar, dass aus diesem Fachtag zwei Entwicklungen hervorgehen: „Einmal die zaghaften Versuche, Arbeitskreise kritischer sozialer Arbeit in Hildesheim ins Leben zu rufen, und zum anderen die Praktiker/innen dazu zu ermutigen, doch für diejenigen Partei zu ergreifen, mit denen sie zusammenarbeiten und sie nicht nur sozialtechnologisch zu behandeln.“

Erscheinungsdatum: 04.06.2013 

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