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"Malen wie vor 1000 Jahren"

Großes Interesse an Mitmachaktionen der HAWK am neunten UNESCO-Welterbetag in Hildesheim

HAWK TV hat die Mitmach-Aktionen begleitet

Der neunte UNESCO-Welterbetag am 2. Juni 2013 stand unter dem Motto "UNESCO-Welterbe erhalten und gestalten". Einige Restauratorinnen der Fakultät Bauen und Erhalten und des Hornemann Instituts der HAWK nahmen das Motto zum Anlass, um Hildesheimer Bürger/inne/n zu sehr unterschiedlichen Mitmach-Aktionen in die Michaeliskirche einzuladen. Rund 80 Bürger unterschiedlicher Altersgruppen folgten dieser Einladung zu „Malen wie vor 1000 Jahren“.

 

Mittelalterliche Buchmalerei


Zum einen ging es um die Erstellung von Kopien einer mittelalterlichen Buchmalerei aus dem Hildesheimer Domschatz, der neben dem Dom und St. Michael ebenfalls zur Hildesheimer Welterbestätte gehört. Wer Lust aufs Mitmachen hatte, konnte vorgezeichnete Details ausmalen und sich seine Farben selbst anmischen: zuerst ein Pigment in einem Mörser fein zerstoßen und dann mit frisch aufgeschlagener Eikläre als historisches Bindemittel zu einer gebundenen Farbe anmischen.

 

Wer nichts selbst malen wollte, konnte sich über den gesamten Ablauf von der Vorzeichnung bis hin zur fertigen Buchmalerei in einem mittelalterlichen Scriptorium informieren. Dazu gehören die verschiedenen Materialien (Pergament, Bimssteine, Sepiaschalen, verschiedene Pigmente und Werkzeuge), mit denen damals eine Buchmalerei hergestellt wurde. Es lagen von Studierenden der HAWK gefertigte Farbkarten aus, auf denen einige Pigmenten mit verschiedenen, historisch belegten Bindemitteln aufgestrichen wurden.        

                                                                                                                                
 
Ein Stück Decke von St. Michaelis


Eines der wichtigsten Objekte des Hildesheimer Weltkulturerbes ist die Decke in St. Michaelis von ca. 1230. Aber wie ist sie entstanden? Auf kleinen Holztafeln malten Kinder und Erwachsene ein Stück Decke in alter Technik. Dazu lagen Holztäfelchen bereit, die bereits mit Kreide und Leim grundiert, also weiß angestrichen waren. Diese weiße Grundierung musste zunächst mit Schachtelhalmen geglättet werden. Dann pauste man darauf mit Rötelstift oder Kohle eine Blumenranke der Decke. Die „Farbe“ ist ockerfarbene, rote oder grüne Erde, die mit Wasser vermengt und geschlämmt werden muss. Weiß gibt es in Form von Eierschalen, die gerieben wurden, für Schwarz muss Holzkohle zerstoßen werden. So entsteht krümeliges Pulver von fünf Farbtönen, das mit einem Bindemittel zusammengerührt werden musste.

 

Die ältesten historischen Vorbilder an diesem Tag waren die Stuckfiguren von ca. 1170, die im südlichen Seitenschiff die Mittelschiffwände zieren. Ehemals bunt gefasst, sind sie nun farblos und bleiben oft auch unbemerkt. Hier hatten die Restauratorinnen Kopien aus einer existierenden Gussform hergestellt, die nun nach historischem Vorbild oder nach eigener Phantasie gestaltet werden konnten. Hier waren einige Besucher zunächst enttäuscht, dass die Farben nicht die historischen waren, aber die haben nach heutigen Erkenntnissen gesundheitsschädliche Bestandteile und sind daher für eine solche öffentliche  Aktion ungeeignet: auch das ein wichtiger Punkt in den vielen Gesprächen über die Arbeit und das Restaurierungsstudium, das die HAWK seit 25 Jahren anbietet. 

 

Digitalisierung


Originale Kulturschätze können aber nicht nur durch Restaurierungsmaßnahmen geschützt werden, manchmal – z.B. bei starker Nutzung (Handschriften) oder Außenbewitterung (Regen, Klima) - ist der nachhaltigste Schutz ihre berührungsfreie Digitalisierung zur Herstellung von Kopien. Beim  Welterbetag wurde eine kostenfreie Software zusammengestellt, mit deren Hilfe man aus den Fotos eines Objektes ein dreidimensionales Netzmodell berechnen lassen kann.

 

Jugend und Kulturerbe


Der UNESCO-Welterbetag entstand auf Initiative der Deutschen UNESCO-Kommission und des UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. Er findet seit 2005 in Deutschland jedes Jahr am ersten Sonntag im Juni statt und besteht aus vielfältigen Aktionen an und in den einzelnen Welterbestätten. Ziel des Welterbetages ist es, die Welterbestätten nicht nur als Orte besonders sorgfältiger Denkmalpflege ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, sondern auch ihre Rolle als Vermittler der UNESCO-Idee der Völkerverständigung. Begegnung und kultureller Dialog mit den Menschen vor Ort sind deshalb thematische Schwerpunkte des Welterbetages. Mit altersgerechten Aktionen soll gerade auch das Interesse der Jugend für das Kulturerbe und den Denkmalschutz geweckt werden. Bundesweit sind alle UNESCO-Welterbestätten aufgerufen, sich mit Sonderführungen und Aktionen am UNESCO-Welterbetag zu beteiligen.

Hornemann Institut

Erscheinungsdatum: 11.06.2013