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"Immer auf die 1"

Mehr als hundert Gäste bei Veranstaltung des Gleichstellungsbüros: Marion Knaths über Frauen und Rangordnung

Signale der Körpersprache verstehen

Die Szene ist überall in der Welt bekannt: US-Präsident Barack Obama federt auf sein Gegenüber zu, lächelt gewinnend und legt lässig den Arm auf den Oberarm seines Gegenübers.

„Die Geste sieht charmant aus, ist aber knallhart: ‚Ich bin die Nummer 1‘“, sagt Marion Knaths auf der Bühne im Hörsaal der Fakultät Ressourcenmanagement in Göttingen. Die Signale der Körpersprache zu verstehen und selbst zu nutzen, ist eine der großen Aufgaben für  Frauen, die sich in Männer dominierten Runden durchsetzen wollen.  Mehr als hundert Gäste sind gefesselt von der temperamentvollen Performance der Chefin von „sheboss“, einer bundesweit renommierten Unternehmensberatung, die Frauen für Führung, Management und Top-Positionen coacht. 
Das HAWK-Gleichstellungsbüro hat Marion Knaths im Rahmen der Veranstaltungsreihe „20 Jahre HAWK Gleichstellung“ eingeladen.

Kommunikation von oben nach unten

Viele Hochschulangehörige, aber genauso viele externe Gäste sind an den Büsgenweg gekommen. Niemand schwatzt mit der Nachbarin oder dem Nachbarn, kein Rechner läuft offensichtlich nebenbei. „Die gläserne Decke“ ist das Thema von Betriebswirtin Marion Knaths, die mit 34 Jahren Vorstand einer großen amerikanischen Aktiengesellschaft werden sollte.

„Gläserne Decke“ meint die unsichtbare Grenze für Frauen, in die Männer dominierten Chefetagen durchzudringen. „Weil sie die Regeln hierarchischer Kommunikation nicht zum eigenen Handwerkszeug gemacht haben“, ist  Knaths Analyse. Frauen lernen die sogenannte Netzwerkkommunikation - von gleich zu gleich -, während Männer meist hierarchisch - von oben nach unten - mit einander umgehen. Frauen müssten eben auch diese Form beherrschen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel werde immer souveräner in dieser Disziplin. Sie reagiere heute auf den Obama-Arm mit derselben Geste oder – besser noch – sie tätschelt zuerst. Das heißt, sie dringt als Erste in den intimen Körperradius ein, ein Signal der Überlegenheit, von Macht. Ganz nebenbei: Staatsoberhäupter verfallen in diesen von Kameras beobachteten Momenten gern in einen ausführlichen Tätschel-Abtausch –  um irgendwie die Oberhand zu gewinnen – die Nummer 1 zu werden. Und das rät Knaths auch den Frauen: Greifen Sie zurück, spielen Sie mit. Werden Sie aber niemals bei Höherrangigen übergriffig.“

Auch Besprechungen sind ein Feld mit viel „Spiel“ zwischen den Zeilen: „Zu Beginn einer Besprechung geht es nie um die Sache, sondern um die Rangordnung der Beteiligten.“ Deshalb Knaths dringender Rat: „Verschwenden Sie nie eine gute Idee zu Beginn einer Besprechung. Machen Sie sich trotzdem mit Beiträgen sichtbar (notfalls unterstützen Sie einen Beitrag des Kollegen) und wenn Sie Ihre Idee dann vortragen, blicken Sie immer fest auf die Nummer 1 im Raum.“ Übrigens sind solche Tipps auch für Männer durchaus wertvoll.

Knaths spricht noch über Körperhaltung, Lächelreflexe und unerschütterliches Selbstvertrauen (im Zusammenhang mit Altbundeskanzler Schröder und der legendären TV-Elefantenrunde nach seiner Wahlniederlage), aber nie davon, dass Frauen wie Männer sein sollen oder umgekehrt. Ihr geht es darum, dass Frauen erfolgreich auf sich und ihre Konzepte aufmerksam machen und eben nicht an der „gläsernen Decke“ scheitern.

Das gleichnamige Buch von Marion Knaths war auch der Auslöser für die Einladung an die HAWK. Verwaltungsprofessorin Dr. Regina Ahlbrecht, Gleichstellungsbeauftragte an der Fakultät Ressourcenmanagement, hatte es begeistert gelesen und mit Ingrid Haasper, der Zentralen Gleichstellungsbeauftragten, beschlossen, die Expertin an die HAWK zu holen. HAWK-Präsidentin Prof. Dr. Christiane Dienel hatte die Veranstaltung eröffnet  –  als Präsidentin ein Beispiel dafür, dass die „gläserne Decke“ möglicherweise doch keine sei. Viele Frauen in Führungspositionen verträten die Haltung ‚ich hab’s doch auch geschafft‘, sagte Dienel, auch sie selbst habe eine ambivalente Haltung dazu, den Mangel an Frauen in Führungspositionen stereotyp gesellschaftlichen Umständen anzulasten. Allerdings sei sie gleichzeitig ganz sicher: „Es kann doch nicht wahr sein, dass Frauen heute immer noch weniger Lohn für gleiche Arbeit bekommen.“


Ansprechpersonen

Ingrid Haasper

Zentrale Gleichstellungsbeauftragte

Hohnsen 4  (Raum 112)
31134 Hildesheim

Tel.:  +49/5121/881-179    
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Jornalistenkontakt

Sabine zu Klampen

Pressesprecherin


Hohnsen 4 (Raum 105)
31143 Hildesheim

Tel.: +49 5121 881-124
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Erscheinungsdatum: 18.06.2013