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"Kritisch ist dazu anzumerken, dass heute immer mehr Mädchen schwanger werden"

Prof. Dr. Friedhelm G. Vahsen hat Stilblüten aus Abschlussarbeiten zusammengestellt und kommentiert

„Teenagerschwangerschaften können aus gelegentlichen Sexualkontakten entstehen“ –  dies ist nicht allein der Titel eines kleinen, grünen Büchleins, sondern auch niedergeschriebene Erkenntnis einer angehenden Sozialpädagogin. Prof. Dr. Friedhelm G. Vahsen, von 1971 bis 2010 Professor für Soziologie an der HAWK, hat „Stilblüten aus Diplom-, Bachelor- und Hausarbeiten“  gesammelt und jetzt liebevoll und augenzwinkernd zu einem kleinen Band zusammengestellt – illustriert mit Karikaturen von Torsten Bähler, der nach dem Studium in Görlitz an der dortigen Hochschule als Freier Grafiker tätig und schon mit einigen Werken hervorgetreten ist.

 

Die Studentin jedenfalls, die sich mit der Ursache für Teenagerschwangerschaften auseinandergesetzt hatte, lieferte Vahsen noch weitere Einsichten: „Kritisch ist dazu anzumerken, dass wie bereits oben beschrieben, heute immer mehr Mädchen schwanger werden, allein schon durch die biologische Bestimmung!“ Damit aber nicht genug: „Wenn es um das Durchschnittsalter des ersten Kindes geht, liegt es in Westdeutschland bei 29 Jahren. Allein aus biologischen Gründen ist es unwahrscheinlich, dass der Trend weiter nach oben steigt.“

 

Rund 900 Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten hat der heute 68-Jährige in den vergangenen 40 Jahren betreut und beurteilt und ist dabei auf manch unfreiwillige Komik gestoßen. Vahsen, der heute noch als Lehrbeauftragter an der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit in Hildesheim tätig ist, gliedert die Stilblüten nach Themen und ordnet sie jeweils liebevoll ein, damit sie als das gesehen werden, was sie sind: kleine Missgeschicke, die in der Regel nichts über die Qualität des gesamten Werkes sagen.

 

Ein Kandidat schreibt beispielsweise in seiner Diplomarbeit zum demografischen Wandel und wie Soziale Arbeit darauf reagieren sollte: „Ich denke, dass es aus ethischen Gründen keine Todespille und auch nicht weniger medizinische Versorgung für alte Menschen geben wird. Allerdings bin ich schon der Meinung, dass hier etwas getan werden muss.“  Vahsen dokumentiert dieses Zitat unter der Überschrift „Gesellschaftliche Umbrüche“.

 

Selbstverständlich geht es auch um die Gesellschaft an sich und ihre Vorurteile: „Die Hartz IV Kultur unterliegt im Allgemeinen keinem hohen gesellschaftlichen Ansehen. Wie bei vielen anderen Kulturgruppen, (z.B. Katholiken oder Punks) ist der Begriff Hartz IV mit Vorurteilen verbunden, die in der Gesellschaft weit verbreitet sind.“
Manch Studierender kann sich hier wiederentdecken und zugleich sagen, „aus mir ist – trotz dieser Stilblüten – etwas geworden.“ Bisweilen melden sie sich auch und bedanken sich für die Hinweise zur verbesserten Textgestaltung. Ein Buch, das zum Schmunzeln anregt, aber auch nachdenklich macht.

Erscheinungsdatum: 10.07.2013 

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