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Glossar zur Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche startet

Angela Weyer und Sophie Haake vom Hornemann Institut koordinieren und moderieren das Vorhaben bis 2015

Die Europäische Union fördert mit 200.000 Euro die Entwicklung eines illustrierten Glossars zur Konservierung/Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche. Projektstart war jetzt bei einem Treffen aller Verantwortlichen in der Türkei. „Ich bin mit dem Verlauf des Treffens mehr als zufrieden“, so die Projektkoordinatorin Dr.  Angela Weyer vom Hornemann Institut der HAWK, „die beteiligten Wissenschaftler/innen kannten sich bisher nicht persönlich, doch in den zwei Tagen konnten wir zu einer Gruppe zusammenwachsen und uns über Struktur und Auswahl der Begriffe sehr gut einigen.“

 

Dabei hatte alles schwierig begonnen: Die Kolleg/inn/en aus der Türkei und Rumänien waren mit Blick auf ihr reiches Kulturerbe davon ausgegangen, dass auch Malerei auf Holz-Wänden Inhalt des Glossars würde. Das überraschte die Teilnehmer/innnen aus West-Europa sehr, da diese Objekte in den Ländern nicht von Wandmalerei-, sondern von Holz-Restauratoren behandelt werden und viele zusätzliche Wörter erklärungsbedürftig gemacht hätte.

 

Dank der Fürsprache der beiden sehr erfahrenen  Kollegen aus Kroatien und Spanien einigte man sich darauf, unter „Wandmalerei“ nur Malerei auf anorganischen Trägermaterialien wie Putz, Lehm, Stein etc. zu behandeln und andere Materialien wie Holz, Papier und Leder vielleicht in einer nachfolgenden Edition zu bearbeiten. Aber auch in der technischen Ausführung wird man im Glossar differenzieren müssen, wird doch die Malerei auf Malta ohne Putzschicht direkt auf den Stein aufgetragen. Zudem handelt es sich dort um Ölfarbe, was man z.B. in Deutschland eher von Farbfassungen auf Steinskulpturen kennt.

 

Das Hauptproblem wird aber die in den Ländern nicht einheitliche unterschiedliche Definition der Begriffe werden, was beispielsweise schon den Begriff „Fresco“ betrifft, der in Frankreich für die gesamte Wandmalerei benutzt wird, in den übrigen Staaten aber auf Malerei auf frischen Putz beschränkt bleibt. Das Englisch ist indes weniger das Problem: Da es sich um ein EU Projekt handelt, wird das sog. „Oxford Englisch“ benutzt und damit der Schwierigkeit der in den USA oftmals anderen Begriffsdefinitionen aus dem Wege gegangen.


 
Das Projekt ist spezialisiert auf Wandmalerei und Architekturoberfläche, da diese Terminologie von großer Bedeutung für einen Großteil des europäischen Kulturerbes ist. Die Definitionen werden in folgenden Sprachen erarbeitet: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch, Polnisch, Ungarisch, Kroatisch, Türkisch und Rumänisch.


 
Das Konsortium des EU-Projekts besteht aus sieben wissenschaftlichen Institutionen unter der Koordination des Hornemann Instituts der HAWK  – und wird von assoziierten Partnern und externen Expertinnen mit vier weiteren europäischen Sprachen unterstützt. Kurze Texte und gute Fotos oder auch Zeichnungen werden die Begriffe möglichst zweifelsfrei erläutern. Am Ende wird das Glossar als kostengünstige, „Not-for-Profit-Print-Publikation“ und über das Internet veröffentlicht. Das Projekt startete im Oktober 2013 und läuft bis September 2015.

 

Die Förderung der EU wird insbesondere in die Entwicklung des Glossars bei vier Arbeitstreffen fließen, sowie in seine Veröffentlichung. Mithilfe dieser zusätzlichen EU-Gelder konnte die HAWK die Diplom-Restauratorin Sophie Haake in Teilzeit einstellen, die in der Türkei den Workshop zur Struktur und der Auswahl der Terminologie moderierte.

 

Der ebenso hohe Eigenanteil der HAWK wird über das Projektmanagement von Dr. Angela Weyer vom Hornemann Institut sowie die wissenschaftlichen Arbeiten der beiden Professorinnen Dr. Nicole Riedl und Dr. Ursula Schädler-Saub von der Fakultät Bauen und Erhalten und Barbara Hentschel M.A. vom Hornemann Institut erbracht.

 

Es wird immer schwerer, EU-Förderungen für wissenschaftliche Projekte zu bekommen. Die durchschnittliche Bewilligungsrate liegt unter zehn Prozent. Für so ein Glossar-Projekt ist es aber relativ leicht, die Europäische Bedeutung herauszustellen, steigen doch die Mobilität von Restaurator/inn/en in Europa und die Zahl europaweiter Ausschreibungen stetig an. Ähnlich verhält es sich mit dem öffentlichen Interesse an Restaurierungsmaßnahmen, was bei den ebenfalls wachsenden Besucherzahlen am jährlichen Tag des offenen Denkmals gut zu beobachten ist. Nur die Kommunikation ist immer noch schwierig, weil die Terminologie der Konservierung/Restaurierung in Europa noch nicht klar definiert ist und daher in der Praxis oftmals Ursache von Verständigungsschwierigkeiten und Missverständnissen ist.

 

www.ewaglos.eu

Erscheinungsdatum: 17.02.2014 

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