English Version | Intranet | Schnellzugriff

Mit Ultraschall Körperhaltung und Bewegung messen

Neues Bewegungslabor für Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie

Hochkonzentriert arbeiten die fünf Bachelor-Studierenden der Physiotherapie sowie Verwaltungsprofessor Dr. Axel Schäfer an dem Messinstrument, das im neuen, rund vierzig Quadratmeter großen Labor für Bewegungsanalyse an der HAWK steht. In zwei Wochen sollen die ersten von fünfzig Probanden kommen, und die Studierenden um Axel Schäfer wollen dann nacheinander deren Sitzhaltung vermessen. Bis dahin muss das Instrument richtig eingestellt und kalibriert sein.

 

„Wir wollen nicht nur die Flexion und die Extension in der Lendenwirbelsäule haben, sondern auch die Beckenrotation – die müssten wir jetzt noch mit dazu nehmen“, sagt Schäfer nachdenklich, als er sich die Zahlenreihen auf der Leinwand anschaut und damit die unterschiedlichen Bewegungsabläufe des unteren Teils der Wirbelsäule meint. Gleich darauf ist ein virtuelles Modell der Rückenwirbel zu sehen, das sich hin- und her bewegt. Die Bewegungen stammen von Stefan Dall, ELP-Student an der HAWK. Er mimt gerade einen Probanden, eine Kommilitonin bedient den Rechner und speichert die Ergebnisse, eine andere leitet seine Rückenbewegungen mit den Händen an. An Dalls Rücken sind zwei dreiarmige Sensoren geschnallt, die sich analog zu seinem Rücken bewegen.

 

„Bis auf ein paar Grad bekommen wir das schon ganz gut hin“, meint Dall, als sie sich zusammen die Testreihe auf der Leinwand anschauen. Das ist nicht ganz einfach, denn der Bewegungsmesser, der die Ultraschallsignale erfasst, zeichnet sehr sensibel die Daten auf. Es erscheint schwierig, dass unterschiedliche Personen die exakt gleiche Ausgangsposition einnehmen. „An einer geeigneten Methode arbeiten wir gerade“, sagt Dall. Seine Kommilitonin Charlotte Müller schreibt das Protokoll: „Wir müssen bestimmte Dinge definieren, damit wir für jeden Probanden am Ende die gleichen Bedingungen haben und später die Ergebnisse gut miteinander vergleichen können.“

 

Für beide, wie auch ihre Mitstudierenden, findet dies als Studienprojekt im sechsten Semester statt. Und es macht ihm auch großen Spaß, wie Dall sagt: „Das hier ist recht praxisnah. Und für mich persönlich ist es eine Erfahrung in der praktischen Forschung, und wir können theoretische Inhalte, die wir vorher gelernt haben, einmal richtig anwenden.“

 

Ende März wurde das neue Labor für Bewegungsanalyse des Studiengangs Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie eingeweiht. Rund 20 000 Euro hat es gekostet, und es soll im Rahmen von Studienprojekten, in der Lehre und auch für Forschungsprojekte eingesetzt werden. „Zugute kommt es allen drei Berufsgruppen“, sagt Schäfer: Wir können mit den Geräten Haltung, Bewegungsausmaß und Bewegungsqualität analysieren. Mit einem weiteren Gerät kann man Gleichgewicht und Balance von Probanden untersuchen. Und die Verbindung von Stimmanalyse mit der Messung von Kopfhaltung, Kehlkopf- und Kieferbewegungen macht das Labor auch für die Logopädie sehr interessant. Des Weiteren gibt es auch Geräte für Stimmanalyse, Schmerzanalyse sowie Kraftmessung.

 

Das Bewegungsanalysesystem kommt somit auch den alltäglichen Bedürfnissen zugute: „So etwas wie dieses Labor gibt es normalerweise in den Logo-, Ergo- und Physiotherapiepraxen nicht. Das heißt, wir können hier beispielsweise untersuchen, wie genau in der Praxis die Untersuchungsmethoden sind, bei denen sich die Therapeutinnen und Therapeuten auf ihre Hände und Augen verlassen.“ Mit den neuen Geräten können etwa auch Faktoren untersucht werden, die bei Bürotätigkeiten zu Rückenschmerzen und anderen Gesundheitsproblemen führen. Die Erkenntnisse könnten so zur Prävention von Rückenschmerzen verwendet werden.

 

Alles in allem sind Prof. Schäfer und die Studierenden hochzufrieden mit dem neuen Bewegungslabor: „Das Labor gefällt mir sehr gut! Es ist sicherlich noch ausbaufähig, aber die Anschaffung war ein erster wichtiger Schritt. Mit den Geräten können wir viele relevante Fragestellungen der Berufsgruppen Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie untersuchen.“, sagt Schäfer.

Dr. Axel Schäfer, Verw.-Prof.

Erscheinungsdatum: 07.05.2014 

Besuchen Sie uns bei:

HAWKPresse