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HAWK-Campus Weinberg, Hildesheim

Schwerer Job: Eine Esse auf Reisen

Die Metallwerkstatt der HAWK hat jetzt die neuen Räume am Campus Weinberg bezogen

HAWK TV hat die Esse auf ihrer Reise begleitet

Laut poltert der Amboss auf den Boden der Metallwerkstatt und bleibt auf der Seite liegen. Wie in Zeitlupe hatten die beiden Umzugshelfer versucht, den großen Metallkörper langsam vom Holzblock auf den Boden zu setzen. Aber die rund 180 Kilo gleiten ihnen dann am Ende einfach aus der Hand. „Wenn so ein Ding anfängt umzukippen, bloß nicht versuchen es aufzuhalten, sondern gleich wegspringen", weiß Cord Theinert aus Erfahrung. Er ist der Leiter der Metallwerkstatt an der HAWK Fakultät Gestaltung und hat schon öfter mal einen Amboss einige Meter in der Werkstatt versetzen müssen. Momentan überwacht er den Umzug der Werkstatt in die neuen Räume am Campus Weinberg.

Nur ein kleiner Schreck
Dem Amboss ist nichts passiert, den Helfern auch nicht: Nur ein kleiner Schreck im ansonsten glatt verlaufenden Abtransport der Schmiede. Rund ein halbes Dutzend Arbeiter verlädt einen Tag lang große Metallbearbeitungsmaschinen, Pappkisten mit Metallteilen und vor allem die Schmiedewerkzeuge in einen gelben LKW.

Die Esse hat knapp zwei Meter Durchmesser
Das Herzstück der Metallwerkstatt, die Schmiede und Feuerstelle, bedarf besonderer Aufmerksamkeit beim Umzug: Die runde Esse, knapp zwei Meter im Durchmesser, auf vier Beinen stehend und innen gemauert, muss ganz vorsichtig verladen werden. „Wir wollen eigentlich vermeiden, die Schamottsteine wieder neu einmauern zu müssen“, meint Theinert , „das wäre etwas kostenaufwändig." Deshalb war der Plan gewesen, die runde Feuerstelle möglichst nicht hochkant abzutransportieren.

Der Koloss passt nur hochkant
Am Morgen des Umzugs ist aber klar: Der  runde Koloss passt tatsächlich nur hochkant durch die Türen. Während die Arbeiter eines Berliner Spezialunternehmens die metallene Abzugshaube abschrauben, sichern Verwaltungsprofessor Hartwig Gerbracht und Cord Theinert die Mauersteine mit Decken, die durch stabile Stahlstreben gehalten werden.. Der an der Decke hängende Kran dient dann zum Ankippen der Esse, rund eine Tonne wird hier zentimeterweise in die Luft bewegt. Anschließend wird der Schmiedeofen vorsichtig hochkant auf Rollbretter gehievt, sechs Umzugsarbeiter halten und stemmen sich gegen das Gewicht.

Decken halten die Steine
Nichts fällt heraus, die Decken halten die Steine an ihrem Platz. Als eine kleine Pause gemacht wird, holt Theinert einen Handbesen und fegt die Unterseite der Esse ab. Er nutzt die Chance, die sich ohnehin seit Tagen des Einpackens bietet, die Maschinen und Werkzeuge nämlich einmal gründlich sauberzumachen. „Da komme ich sonst nicht so einfach dran", meint er. Ohnehin hat er die alte Werkstatt von einer ganz anderen Seite kennengelernt. „Wir haben teilweise Jahre alte Semesterarbeiten wiedergefunden", erzählt Theinert, der selbst bis 1999 in den Räumen an der Kaiserstraße Metalldesign studiert und sein Diplom gemacht hat. Seit fünf Jahren ist er nun Werkstattleiter an der HAWK.

Metalllager ausegemistet
Als eine wahre Fundgrube hat sich das Lager erwiesen, das sich ein Stockwerk tiefer unter der Werkstatt befinet: eine Art Gewölbe mit niedriger Decke. Etwa acht Studenten und Mitarbeiter haben hier in den Wochen zuvor ausgemistet und die Regale abgeschraubt. Schwierig wurde es mit dem Lager von Messing und anderen Metallen, denn alles musste herausgeräumt und irgendwie verpackt und beschriftet werden. „Die Metalle wurden beim Nachkauf immer recht intuitiv in die richtige Abteilung gelegt", sagt Theinert. Beim Herausräumen mussten die Helfer daher erst einmal richtig schauen, welches Metall sie da eigentlich vor sich hatten. Als zeitintensiv entpuppte sich vor allem der Restbestand: „Da hat sich seit 30 Jahren einfach sehr viel an Material angehäuft“, beschreibt der Werkstattleiter, denn meistens habe man auch die kleinen Metallreste irgendwie aufgehoben mit dem Gedanken, es vielleicht doch irgendwie nochmal gebrauchen zu können. Am Ende mussten ob der schieren Menge aber doch aussortiert werden und ein Altmetallhändler wurde gerufen, um das Buntmetall abzuholen. „Der Erlös wird dem HAWK-Konto natürlich wieder gutgeschrieben", sagt Theinert.

Kein Kohlenkeller auf dem Campus
Rechts vor dem alten Lager ist eine schwarzverstaubte Tür. „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?", hat jemand in den Staub geschrieben. Aber dieses Kuriosum, einen Kohlenkeller, wird es in den neuen Räumlichkeiten der Metallschmiede am Campus Weinberg nicht mehr geben: Denn der Brennstoff wird in Zukunft in quadratischen Transportkisten angeliefert, die dann irgendwo am Rand des Raumes abgestellt werden können.

Werkstatt zwei Stockwerke hoch
Gegen Mittag ist es soweit: Die Esse wird hochkant in den LKW verfrachtet. Die Fahrt verläuft flott durch die Stadt, am neuen Campus herrscht in vielen Gebäuden noch emsiges Arbeiten. Das Abladen geht dann bereits wesentlich schneller. Die Höhe der neuen Metallwerkstatt umfasst zwei Stockwerke und wirkt im Gegensatz zur alten Werkstatt wie ein Kirchenschiff. Am Ende gibt es noch einen unfreiwilligen, kurzen Stopp, denn die großen Türen scheinen sich nicht öffnen zu lassen. Als aber auch dieses Problem gelöst ist, wird die Schmiede innerhalb von 15 Minuten an den richtigen Platz geschafft. Auch hier hilft wieder der bereits eingebaute Lastkran. Am Ende fassen noch einmal alle an, um die Esse ein paar Zentimeter weiter zu rücken, damit die aus dem Boden kommende Belüftung auch richtig angeschlossen werden kann - geschafft. Auch jeder einzelne Schamottstein sitzt noch an seinem Platz.

Neue Maschinen
„Das sind wirklich schöne neue Schmiederäume", betont Verw.-Professor Hartwig Gerbracht am Ende“, „wir haben jetzt tolle Möglichkeiten, um architekturbezogen Metall zu gestalten und vor allem große Objekte anzufertigen. So wird es zum Beispiel eine neue, hochmoderne bahngesteuerte Fräse geben, an der die Studierenden arbeiten können. Außerdem wird es eine neue Profilbiegemaschine angeschafft, mit der zum Beispiel Handläufe für Wendeltreppen gebogen werden können. Bisher gab es nur eine hydraulische Handpresse, beschreibt Theinert.

Bald klingen wieder die Hämmer
Ich freue mich auf alles, was jetzt kommt, wenn sich die neuen Räume mit kreativem Leben füllen und auch auf das Klingen der Hämmer", sagt Gerbracht. Bis dahin müsse jedoch noch vieles eingeräumt und angeschlossen werden.

Campus- Tag der offenen Tür
Metallgestaltung an der HAWK
Hartwig Gerbracht, Verwaltungsprofessor
Cord Theinert, Werkstattleiter

Erscheinungsdatum: 18.08.2014 

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