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Soziale Arbeit
und Gesundheit

Das Gleichstellungsteam der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit stellt sich vor

Fachtag Gender und Gesundheit - G²

Geschlecht und geschlechtliche Identität im Fokus

Die dritte Veranstaltung zu Gender & Gesundheit (G²) widmete sich dem brisanten sowie interdisziplinären Thema Geschlecht und geschlechtliche Identität. Im ersten Teil des Fachtages stand „Queergesund* - Identität und Gesundheit“ im Zentrum; den zweiten Schwerpunkt bildete ein Beitrag zu Beratung von inter*, trans* und queer lebenden Menschen.

Die zentrale Gleichstellungsbeauftragte der HAWK, Frau Dr. Gesa C. Teichert, präsentierte eine aktuelle Studie zu „Gesundheits- und Krankheitserfahrungen von Lesben, bisexuellen und queeren Frauen*“, bei der sie in einem multidisziplinären Expert/inn/enkreis mitwirkte. Ausgangspunkt der Untersuchung war, die Gesundheitsanliegen von nicht-heterosexuellen Frauen* nachzuvollziehen, um Aussagen über eine angemessene Gesundheitsförderung zu erhalten. Das Projekt zielte darauf, partizipativ vorzugehen, indem Forschende und Erforschte gemeinsam Gesundheitsthemen, Ziele und Maßnahmen in einem mehrstufigen Erhebungs- und Auswertungsverfahren nach der „Group Concept Mapping“ Methode (Trochim 2002) rekonstruierten. Die Akteur/inn/en folgten somit einer „doppelten Zielsetzung“ (Unger 2014), demnach zu forschen und gleichermaßen gesellschaftliche und soziale Lebensbedingungen zu verbessern. An der Vorbefragung nahmen 381 Personen teil, wovon 95 Personen auch an der Hauptbefragung beteiligt waren. Nach der anschaulichen Darstellung des Forschungsdesigns benannte Frau Teichert dann die wesentlichsten Forschungsbefunde: Insgesamt konnten 125 Themenfelder herausgestellt werden, die sich einerseits auf strukturelle Veränderungen wie bspw. Antidiskriminierungsarbeit an Schulen oder Aufnahme von LBQ* Inhalten in die Ausbildungspläne im Gesundheitswesen bezogen. Dabei schätzten die Befragten diese Themen als sehr wichtig, aber in der Realisierung weniger machbar ein. Andererseits wurde das Engagement der Community fokussiert, indem ein besserer Wissenstransfer in die Versorgungspraxis gefordert werde, oder bspw. die Netzwerke der LBQ* zu stärken seien. Die Befragten hielten die Verwirklichung dieser Themen als machbar. Das Projekt wurde nach zweijähriger Laufzeit Ende 2016 abgeschlossen.

Im zweiten Teil der Tagung referierte die Gemeindepädagogin und systemische Therapeutin, Mari Günther aus Berlin, das Pilotprojekt „Inter* und Trans* Beratung QUEER LEBEN“. Diese professionalisierte, community-basierte Beratungsstelle für inter* und trans* Personen, deren Angehörige sowie Fachkräfte hat ihre Arbeit im Juli 2014 aufgenommen und betreut seither ca. 1200 Personen im Jahr. In ihrem Vortrag berichtete Frau Günther beeindruckend über ihre Tätigkeit. Im Mittelpunkt stehen die inter* und trans* Personen und deren Gesundheitsthemen wie bspw. Informationen zum Versorgungssystem, aber auch zur Gestaltung des Coming-Outs, oder zu psychischen Belastungen und Diskriminierung. Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist es entscheidend, wie die unmittelbare Umwelt reagiert. Soweit Kinder und Jugendliche nicht äußern dürfen, dass sie mit ihrem Geschlecht nicht einverstanden sind, geraten diese in innere Not. Das kann schwerwiegende Konsequenzen haben, die sich in Isolation (Freundeskreis/ Bildungsabbrüche), Suchterkrankungen (Spielsucht/ Essstörungen) oder auch Suizidalität zeigen. Deshalb ist es für die Beratung wichtig, so Frau Günther, sich  mit Angehörigen und anderen Expert/inn/en (Schule/ Jugendamt/ Krisendienste/ Psychotherapeut/inn/en/ Ärzt/inn/en) zu vernetzen. Ebenfalls ist für die Beratungsarbeit grundlegend,  über Beratungswissen, Beratungskompetenz sowie Wissen über das soziale und gesundheitliche Versorgungssystem zu verfügen, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen und empathisch den Prozess zu gestalten. Besonders bei der community-basierten Beratung ist bedeutsam, biografisches Erfahrungswissen (eigene Trans*/ Inter* Biografie) und Körperwissen zu reflektieren. Die wissenschaftliche Begleitforschung zum Projekt (Oktober 2015 bis September 2016) ist abgeschlossen. Die Ergebnisse der Studie belegen die Wichtigkeit der Beratungsstelle sowie die professionelle Beratungspraxis, zumal ein erheblicher Mangel an Anlauf- und Beratungsstellen für trans*, inter* und genderqueere Menschen bestehe (Focks/ Nachtigall 2017).

Neben den informativen Vorträgen und Hinweisen auf diverse Forschungslücken entstand eine lebhafte und engagierte Diskussion im Plenum. Bei Kaffee und Imbiss konnten die Gespräche zwischen den Teilnehmer/inn/en intensiviert werden, betont Prof. Dr. Sabine Mertel, die als Gleichstellungsbeauftragte der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit die Veranstaltung initiierte. Im Wintersemester 2017/18 soll die Reihe gemeinsam mit der zentralen Gleichstellungsbeauftragten und den Mitarbeiterinnen im Gleichstellungsbüro fortgesetzt werden.

Weitere Informationen:

  • Vortrag 1
    Netzwerk*
    Sexuelle und geschlechtliche Diversität in Gesundheitsforschung und –versorgung.
    Kontakt: gfd@fh-dortmund.de (Manuela Kaur)
    Newsletter des Projektes

 

 

Themenwünsche für kommende Veranstaltungen der Reihe G² sind willkommen!
Kontakt: sabine.mertel@hawk-hhg.de

 

 

 

Erscheinungsdatum: 31.05.2017