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Individuelle Studienvertiefung

Kinder mit Missbrauchserfahrungen stabilisieren (KiMsta)

Hildesheimer Curriculum zur Qualifizierung zukünftiger Sozial- und Kindheitspädagog/inn/en startete im SoSe 2015

Politischer Hintergrund

In den letzten Jahren wurde deutlich, dass sexueller Missbrauch ein weitaus größeres Problem darstellt als bislang angenommen. In Reaktion auf die vielen Medienberichte über Missbrauchsfälle im Jahr 2010 hat die Politik das Thema aufgegriffen und in der Auseinandersetzung damit erkannt, dass päda­go­gi­sche Fachkräfte hinsichtlich des Umgangs mit Kindern, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, besser qualifiziert werden müssen. An die Hoch- und Fachschulen richtet sich deshalb der Appell, für die notwendige Ausbildung zu sorgen. Gleichzeitig wurden die Träger pädagogischer Einrichtungen in die Pflicht genommen. Im Jahr 2012 hat der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung schriftliche Vereinbarungen mit den Dachorganisationen u.a. von Kindertages­stät­ten, Kin­der- und Jugend­hilfe­ein­rich­tungen sowie Internaten getroffen. Darin bürgen die Dachorganisationen dafür, dass Kinder und Jugendliche, die in der Familie oder in anderen Bere­ichen sexualisierte Ge­walt erfahren, in ihren Einrichtungen kompe­ten­te Ansprech­part­nerIn­nen finden (Geschäfts­stelle des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindes­miss­brauchs, 2013).
 

Wissenschaftlicher Hintergrund

Der Frage, wie (zukünftige) pädagogische Fachkräfte zu kompetenten Ansprech­partner/innen werden - was sie lernen müssen und wie sie dies am besten lernen können -, ging das Forschungsprojekt KiMsta (Kinder mit Miss­brauchs­erfahrungen stabilisieren) nach, das von 2010 bis 2014 an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim durchge­führt wurde.

Auf Basis der Gesamtergebnisse dreier aufeinander aufbauender Studien (zwei Interview-Studien mit ExpertInnen im Bereich „Sexueller Missbrauch und Traumatisierung“, schriftliche Befragung von über 700 pädagogischen Fachkräften aus Kindertagesstätten sowie Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen) wurde ein Aus- und Weiterbildungscurriculum entwickelt (Wittmann, 2015).

Seit Einführung des Curriculums im Sommersemester 2015 hat Frau Prof. Dr. Wittmann viel positive Resonanz von Seiten der Studierenden erfahren: „Die Studierenden sind hocherfreut, weil ihnen das Curriculum die Möglichkeit bietet, sich im Rahmen ihres Studiums für ein gesellschaftlich und politisch hochrelevantes Thema qualifizieren zu können.“

Das Curriculum kann von Studierenden durchlaufen werden, die ihr Studium im Wintersemester 2014/2015 oder später begonnen haben.
 

Inhalte

In unterschiedlichen Seminaren werden in den Studiengängen Soziale Arbeit und Bildung und Erziehung im Kindesalter folgende Inhalte erarbeitet:

Tabelle Curriculum

Flyer KiMsta

Weitere Informationen finden HAWK-Angehörige in Stud.IP unter den Ankündigungen der Einrichtung ► Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit ► Ankündigung KiMsta-Curriculum für die Studiengänge Soziale Arbeit und BEiK.

Kontakt: Prof. Dr. Anna Wittmann

Quellen
Geschäftsstelle des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (Hrsg.) (2013): Vereinbarungen zwischen dem Unabhängigen Beauftragten und Dachorganisationen. Letzter Abruf am 12.11.2014 von http://beauftragter-missbrauch.de/course/view.php?id=164

Wittmann, A. J. (2015): Kinder mit sexuellen Missbrauchserfahrungen stabilisieren. Handlungssicherheit für den pädagogischen Alltag. München/Basel: Ernst Reinhardt

 

 

Erscheinungsdatum: 23.02.2015