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Alumni

Studieren-auch ohne Abitur und Fachhochschulreife

„Nachdem ich herausgefunden hatte, dass für mich ein Studium auch ohne Fachhochschulreife möglich ist, habe ich mich für die Aufnahmeprüfung beworben, wurde angenommen und bin in das 4. Semester des ELP Studienganges der HAWK in Hildesheim eingestiegen“

Steckbrief:

  • Wiebke Rüter, B.Sc. Ergotherapie, 25 Jahre alt
  • Erweiterter Sekundarabschluss I
  • Berufsfachschule für Ergotherapie in Celle
  • 3- jährige Berufstätigkeit in einer interdisziplinären Praxis
  • ELP Studium an der HAWK in Hildesheim
  • Auslandssemester an der Hogeschool van Amsterdam
  • Bachelor of Science seit September 2014

Mein Weg ins Studium
Bereits während meiner Ausbildung zur Ergotherapeutin in Celle war eine Kooperation mit der HAWK in Hildesheim möglich. Da ich die Voraussetzung der erworbenen Fachhochschulreife jedoch nicht erfüllen konnte, war die Teilnahme an diesem „ersten Studienabschnitt“ für mich nicht realisierbar. Nach der Ausbildung erhielt ich gleich die Möglichkeit, in einer interdisziplinären Praxis, in der ich einen Teil meiner praktischen Ausbildung absolviert hatte, als Ergotherapeutin zu arbeiten. Während meiner Tätigkeit in der Praxis wollte ich zunehmend bestehende Konzepte weiterentwickeln und mich für meine therapeutischen Leistungen weiter qualifizieren. Diese Qualifikation wollte ich jedoch nicht fachbereichsbezogen, sondern möglichst auf breiter Basis erwerben. Meine Recherchen ergaben, dass es in Deutschland möglich ist, nach einer 3-jährigen Ausbildung und einer mind. 3-jährigen Berufstätigkeit ein fachgebundenes Studium auch ohne Fachhochschulreife anzutreten. Nach einer Einstufungsprüfung an der HAWK konnte ich mein Studium beginnen.

Das Studium
Besondere Bedeutung hatte für mich die Interdisziplinarität des Studienganges in Hildesheim. Diese bot viel Raum für den Austausch unter Ergotherapeut/inn/en, Physiotherapeut/inn/en und Logopäd/inn/en. Im Rahmen gemeinsamer Projekte lernten wir die Überschneidungen der Tätigkeitsbereiche kennen, jedoch auch unsere eigene Profession abzugrenzen. Neben der Vertiefung ergotherapeutischer Theorien und Modelle war für mich besonders das evidenzbasierte Arbeiten in den verschiedenen Handlungsfeldern von Interesse, um mein eigenes Handeln in der Praxis zu verbessern. Neu waren für mich die Themenbereiche der Gesundheitspolitik und der Betriebswirtschaft, wie Unternehmensführung, Personalmanagement und Marketing, mit denen wir Studierende auf eine Selbstständigkeit oder Leitungspositionen vorbereitet wurden. Um die Theorie mit der Praxis zu verknüpfen, bot die HAWK die Möglichkeit, eigenen Interessen in Wahlpflichtkursen nachzugehen. Besonders die Mitarbeit in verschiedenen wissenschaftlichen Projekten von Dozent/inn/en und Professor/inn/en der HAWK hat mir aufgezeigt, wie ich auch nach dem Studium dazu beitragen kann, das Erlernte mit der Praxis zu verknüpfen und das Berufsbild der Ergotherapie voranzubringen.

Eine besondere Möglichkeit, die sich mir im Studium eröffnete, war das Absolvieren eines Auslandssemesters. Eine Physiotherapeutin und ich haben uns gemeinsam für ein Semester in Amsterdam entschieden und für diesen Zeitraum ein Urlaubssemester an der HAWK eingereicht. Studiengebühren fielen durch des Erasmus-Stipendium für uns nicht an und die Finanzierung der Lebenshaltungskosten konnten wir zum Teil durch das Auslands-BAföG abdecken. Es war eine unvergessliche und tolle Zeit. Ich habe viel über mich selbst gelernt, meine Englischkenntnisse verbessert, interessante Leute kennengelernt, an vielen praxisnahen Projekten in Amsterdam mitgewirkt und Einblicke in globale Gesundheitsaspekte erhalten.

Nach dem Studium
Die höhere Qualifikation durch den Bachelorabschluss eröffnet mir nun ein größeres Spektrum an Stellenangeboten. Neben Tätigkeiten in Praxen und Kliniken bin ich darüber hinaus z.B. für das Lehren an einigen Berufsfachschulen oder Tätigkeiten in Leitungspositionen qualifiziert.
Das Studium hat mich befähigt, neben der ganzheitlichen und klientenzentrierten Sichtweise, auch die Bedeutung wirtschaftlicher Aspekte zu berücksichtigen. Durch die Vertiefung von Theorien und Modellen kann ich evidenzbasiert handeln und dieses Handeln auch vor Ärzten, Krankenkassen und Kollegen im Berufsalltag kompetent vertreten und begründen. Wenn ich mich nach dem Bachelorstudium eines Tages intensiver für den Forschungsbereich interessiere, kann ich mich nun für den Masterstudiengang bewerben oder als wissenschaftliche Mitarbeiterin weiter an Forschungsprojekten der Hochschule mitarbeiten.

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